Nach 9 Monaten beginnt nun der Prozess gegen die 4 U-Bahn-Schläger vom Berliner U-Bahnhof Lichtenberg. Dem Quartett wird vorgeworfen, am 11. Februar 2011 kurz vor Mitternacht zwei Maler attackiert und bestohlen zu haben. Sie müssen sich jetzt wegen versuchten Mordes aus Habgier verantworten. Ihr Opfer erlitt lebensgefährliche Verletzungen und wachte erst nach Wochen wieder aus dem künstlichen Koma auf. Laut Anklage soll das Motiv "Hass auf Deutsche" und "Freude an der Misshandlung Schwächerer" gewesen sein.
Mutmaßliche U-Bahn-Schläger schweigen vor Gericht
Anscheinend war es Ihnen sichtlich unangenehm, zu dem Vorfall Stellung zu nehmen, deshalb schwiegen sie am Donnerstag bei dem Prozess. Es heißt, die Angeklagten wollen sich später äußern, kündigte Verteidiger Dirk Lammer an. Die Jugendlichen sollen bereits im Vorfeld gestanden haben, bestreiten allerdings einen Tötungsvorsatz. Das Motiv der Deutschenfeindlichkeit ist aus Sicht des Anwalts "nicht nachvollziehbar".
Verlauf der Tat am 11. Februar
Das Quartett soll im U-Bahnhof Berlin-Lichtenberg die beiden Männer angegriffen haben, um sie „abzuziehen“. Die Jungen mit ausländischen Wurzeln sollen „Scheiß Nazis“ gegröhlt haben. Brutal soll einer der Männer fast zu Tode gequält worden sein. Gestohlen wurden sein Handy und etwas Kleingeld. Der lebensgefährlich Verletzte kämpfte sich nur langsam ins Leben zurück.
Der Maler war mit seinem Kollegen auf dem Heimweg, als er zum Opfer der Gewaltorgie wurde. Wuchtige Tritte donnerten gegen Kopf und Körper. Der Mann ging zu Boden. Ein 18-Jähriger soll auf seinen Oberkörper gesprungen sein. Der Maler rappelte sich auf und wurde erneut niedergeschlagen. Ein Fluchtversuch des Schwerverletzten scheiterte. Der 17-jährige Schüler soll das Opfer im Sprung von der Treppe mit voller Wucht getreten haben. Der Handwerker blieb reglos liegen. Er erlitt schwere Kopfverletzungen und lag vier Wochen im künstlichen Koma. Insgesamt betrug sein Aufenthalt im Krankenhaus mehr als 100 Tage. Ein Teil seiner Schädeldecke musste entfernt werden. Er musste Gehen und Sprechen wieder erlernen in der Rehabilitation.
Auch der Begleiter des Malers wurde bei dem Übergriff verletzt. Der Mann konnte zunächst in Todesangst aus dem Bahnhof fliehen, wurde aber aufgespürt. Er erlitt zahlreiche Blutergüsse. Ein Passant zeigte Zivilcourage: Der Helfer, der aus der Rockerszene stammen soll, trieb die Schläger in die Flucht. Beide Opfer sind Nebenkläger. Sie werden kommende Woche als Zeugen erwartet.
Aufruf zu mehr Zivilcourage
Bei jungen Gewalttätern fehlt nach Ansicht des Psychiaters und Gerichtgutachters Karl Kreutzberg "jegliche Hemmung". Gewalt sei eine soziale Aufstiegsmöglichkeit für die, die sonst keine Chance haben, heißt es weiter. Kreutzberg ruft weiterhin zu mehr Zivilcourage bei eskalierenden Situationen auf.
Quellen: Morgenpost.de, Süddeutsche.de
